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ARGEN - eine strategische Alternative für den Mittelstand

Mehr als 50 Bauunternehmer aus ganz Deutschland kamen Ende Juni auf dem Treffpunkt ARGE in München zusammen, um die Chancen, die sich durch Arbeitsgemeinschaften bieten, zu erörtern. Die zweitägige Veranstaltung, zu der BRZ gemeinsam mit  BWI-Bau und Reuschel & Co. geladen hatte, bot zudem die ideale Plattform, um sich wiederzusehen, auszutauschen, Synergien zu finden und Netzwerke zu knüpfen.

In seinem charismatischen und lebendigen Vortrag, der die Zuhörer buchstäblich von den Sitzen riss, stimmte Gastredner Dr. Dr. Cay von Fournier die Teilnehmer auf die ARGE-Fachtagung ein. Sein Thema war die derzeitige Krise und die Möglichkeit für Unternehmen gestärkt daraus hervor zu gehen: durch Kreativität, Ideenreichtum und außergewöhnliche Strategien.

Kooperation statt Konkurrenz

Auf der ARGE-Fachtagung zeigten Prof. Dr. Jacob und Dr. Winter – beide von der TU Bergakademie Freiberg – auf, welche Chancen die Bildung von ARGEN bietet. Viele Unternehmen scheuten zwar die Bürokratie, hätten Angst vor Fehlinvestitionen oder Bedenken Ihre Unabhängigkeit zu verlieren – die kooperationsfördernden Faktoren seien aber nicht zu übersehen: Größenbedingte Nachteile lassen sich ausgleichen, die eigene Wettbewerbssituation verbessert sich, das Risiko kann aufgeteilt werden und der eigene Wissensstand steigt.

Neben den bekannten Formen von ARGEN gingen sie auch auf die Dach-ARGE Planung und Bau ein. Diese ist ein Novum in der ARGE-Landschaft, in der es bisher nur Arbeitsgemeinschaften unter Gleichen (Planer-Planer / Bauunternehmer-Bauunternehmer) gibt. Die Dach-ARGE Planung und Bau soll hingegen Planer und Bauunternehmer partnerschaftlich zusammenbringen, um so ganz wie ein Generalübernehmer die Bauausführung samt Planung anzubieten und zu realisieren. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen bietet dies die Chance sich aus der Abhängigkeit der „Großen“ zu befreien, die sie oft zur verlängerten Werkbank bzw. zu Subunternehmern degradieren.

Sorgloser Umgang in Bietergemeinschaften

Rechtsanwalt Peter Burchardt ging auf die rechtlichen Besonderheiten von ARGEN ein. Wo die vielen Stolpersteine liegen, untermalte er anhand einiger richterlicher Urteile. Er empfahl den Teilnehmern ausschließlich mit Musterverträgen zu arbeiten, die der Bundesverband der deutschen Bauindustrie den Unternehmen zur Verfügung stellt. Von hauseigenen Verträgen riet er dringend ab. Um Rechtssicherheit zu haben, solle man den Original-Vertrag verwenden und Änderungen so kennzeichnen, dass diese auf den ersten Blick erkennbar seien. Auch ein Bietergemeinschaftsvertrag sollte unbedingt abgeschlossen werden, denn gerade in der Angebotsphase entstehen die meisten Fehler.

Banken als Partner für eine sichere und effiziente Abwicklung von Argen

ARGEN sind aufgrund ihrer Komplexität nicht nur für Außenstehende wie beispielsweise Wirtschaftsprüfer schwer verständlich, auch bei vielen Banken bedürfen sie einer permanenten Erklärung. Berthold Negele von Reuschel & Co. Privatbankiers erläuterte, welchen Beitrag sein Bankhaus – das bereits seit 50 Jahren im ARGE-Geschäft tätig ist - für die Betreuung und Beratung rund um das ARGE-Geschäft leistet und worauf es bei Bürgschaften und Maßnahmen zur Zahlungssicherung ankommt.

Abwicklung von ARGEN im Tagesgeschäft

Wie die Theorie mit der Praxis in Einklang zu bringen ist, schilderte Rainer Koßmann, Geschäftsführer der Echterhoff Bau Gruppe mit Sitz in Osnabrück. Für sein Unternehmen, das fast ausschließlich für öffentliche Auftraggeber arbeitet, sind ARGEN nicht nur eine strategische Alternative. An ihnen führt praktisch kein Weg mehr vorbei. Denn bei sehr vielen Objekten enthält die Ausschreibung für Echterhoff fremde Gewerke in erheblicher Größenordnung. Ohne starke Partner könnte man entsprechende Bauaufträge gar nicht realisieren. Momentan engagiert sich das Unternehmen in etwa 100 Arbeitsgemeinschaften, bei der Hälfte davon hat Echterhoff die kaufmännische Leitung übernommen.

Spezielle Anforderungen an die Buchhaltung und das Controlling

Insbesondere das Rechnungswesen unterscheidet sich durch die übliche ARGE-Gesellschaftsform als GbR dadurch, dass es keiner handelsrechtlichen Verpflichtung zur Buchführung und nicht den gesetzlichen Vorschriften jährlicher Bilanzierung unterliegt. Vorrangig bestimmen die Anforde­rungen der Gesellschafter das Wesen und die Elemente der ARGE-Buchhaltung. Diese reichen von der Organisation der Buchführung, über die Abstim­mung und Abrechnung mit den Gesellschaftern, Behandlung von Zwischen-/Abschlüs­sen bis hin zur Auseinander­setzungs­bilanz. Ohne ausgefeilte IT-Unterstützung, wäre die Aufgabe nicht zu stemmen. Konventionelle Anwendungen ermöglichen es i. d. R. zwar die ARGE als anteiliges Projekt im Rechnungswesen der Gesellschafter darzustellen; die eigentliche ARGE-Abrechnung mit allen Besonderheiten bedarf allerdings einer spezielleren und umfassenderen Funktionalität und Abbildung. Echterhoff nutzt deswegen die ARGE-Buchhaltung von BRZ, die genau den typischen Abläufen, Abrechnungen und Abschlüssen einer ARGE entspricht.

ARGE-Buchhaltung als wichtigstes Controlling-Instrument

Christian Jurasin, Leiter Consulting bei BRZ demonstrierte, wie die BRZ ARGE-Buchhaltung zu einer vereinfachten und schnelleren Abwicklung des Rechnungswesens beitragen kann.

Durch die Integration einer Anlagenbuchhaltung erfolgt die Ermittlung und Verbuchung der Abschreibung für ARGE-eigene Anlagegüter automatisch. Bei der Erfassung der Subunternehmer-Rechnungen erfolgen die Addition der Beträge und ein Vergleich mit dem Leistungsstand sowie der Auftragssumme des Subunternehmers ebenfalls ohne erneutes manuelles Eingreifen. Das spart enorm viel Zeit und macht die Arge-Buchhaltung zum wichtigsten Controlling-Instrument zur unmittelbaren Steuerung aller Arge-Partner.

Regelmäßige Ergebnisübersichten lassen sich ebenso schnell, übersichtlich und anwenderfreundlich erstellen wie der ARGE-Abschluss. Die Reports können monatlich, quartalsweise oder für frei wählbare Perioden ausgedruckt werden. Jeder so erstellte ARGE-Abschluss beinhaltet den von den Bauindustrieverbänden empfohlenen Formularsatz mit Übersichten zur Auftrags- und Ergebnisentwicklung, zum Stand der Partnerkonten, zur Vermögens- und Erfolgsübersicht einschließlich Kontennachweis sowie Bewertung von Bauhilfsstoffen.

Drum prüfe, wer sich länger bindet...

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten spielt das Haftungsrisiko, das in einer ARGE eingegangen wird, eine immer größere Rolle. Gleichzeitig bietet die Zusammenarbeit die Chance zur Akquisition und Gewinn bringenden Auftragsabwicklung. Kooperation statt Konkurrenz ermöglicht es, sich weitere Geschäftsfelder zu erschließen, sich an größeren Bauprojekten zu beteiligen und dabei das Wissen zu erweitern. Besondere Sorgfalt gilt für die Auswahl geeigneter Partner. Gegenseitiges Vertrauen und die Gewissheit gleichgerichtete Interessen zu verfolgen, sind dabei Grundvoraussetzung.  

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