Nürnberg, 1. Dezember 2011- Unternehmensplanung ist im unwägbaren Projektgeschäft der Baubranche ein kontrovers diskutiertes Thema. Planungsskeptiker rücken die Aussagekraft der Planwerte in die Nähe gehaltloser Wahrsagerei und vergleichen sie mit einem „Blick in die Kristallkugel“. Planungsbefürworter dagegen sehen großes Potenzial darin, die Zukunft des eigenen Bauunternehmens systematisch vorzudenken. Mehr als 120 Bauunternehmer und Entscheidungsträger aus der mittelständischen Bauwirtschaft folgten der Einladung zu den BRZ-Mittelstandsseminaren 2011. An zwei Terminen in München und Dresden erläuterten branchenkundige Experten die Grundlagen, Chancen und die praktische Umsetzung von Unternehmensplanung und Bankenreporting. Fazit: Unternehmensplanung im Baubetrieb ist nicht nur machbar sondern dringend notwendig. Doch die beste Planung ist unsinnig, wenn sie nicht auch als Steuerungsinstrument für die Unternehmensführung genutzt wird.
Versichern, bevor es brennt
Die Vorgaben für das Kreditgeschäft haben sich in der Vergangenheit deutlich verschärft und werden sich − Stichwort Basel III − weiterhin verschärfen. Kreditgeber sind angewiesen, potentielle Kreditnehmer noch genauer zu prüfen und konkret zu bewerten. Finanzexperte Udo Dötsch macht deutlich, dass eine nachvollziehbare und gelebte Unternehmensplanung die Ratingnote und damit die Finanzierungskosten deutlich beeinflussen kann. Aktualität, Transparenz und Plausibilität sind dabei die Schlüsselkriterien, „selbst und vor allem dann, wenn es nicht so gut läuft“. Gerade weil Fremdkapitalgeber in aller Regel nicht im Detail mit den Besonderheiten der Baubranche vertraut sind, ist eine frühzeitige Information zur Identifizierung der Ursachen von Planabweichungen notwendig. Dies ermöglicht den Kundenberatern, die Situation besser zu verstehen, schafft Vertrauen und bietet eine objektive Grundlage, um über Kredite zu angemessenen Konditionen zu sprechen. Die Investition in eine nachvollziehbare Planung sei auch als Versicherung für schwierige Zeiten zu verstehen, „insbesondere dann, wenn zusammen mit der Information über Planabweichungen ein Plan B zur Lösung der Probleme präsentiert wird“, so Udo Dötsch.
Planung mit operativem Geschäft verbinden
Lassen sich die stark komprimierten Daten einer üblicherweise einmalig erstellten Jahresplanung so differenziert organisieren, dass ein praktikables Steuerungsinstrument entsteht, mit dem sich die Geschäftsentwicklung auch unterjährig erklären lässt? Die Lösung liegt in der operativen, rollierenden Unternehmensplanung. In Verbindung mit einem Planungstool werden die zunächst noch abstrakten Plan-Daten ganz konkret und ohne Mehraufwand mit den tatsächlichen Ist-Daten in Beziehung gesetzt. Integriert in die ERP-Lösung wird so ein schlüssiges und in sich konsistentes Berichtswesen abgerufen, das eine fundierte Grundlage für unterjährige Prognosen bildet. Mit diesem Frühwarnsystem lassen sich zum einen Ursachen für eventuelle Plan-Ist-Abweichungen jederzeit nachvollziehen, zum anderen können rechtszeitig Maßnahmen ergriffen werden, um Schaden abzuwenden.
Vision und Strategie gefordert
Die Unternehmensplanung ist in erster Linie als Führungsinstrument zu verstehen. Sie stellt die Verbindung zwischen den langfristigen Unternehmenszielen, der Unternehmensstrategie und der operativen Unternehmensführung her. Vor der Einführung einer operativen Unternehmensplanung ist es deshalb, laut Prof. Dr. Ralf-Peter Oepen, Geschäftsführer des BWI-Bau, unverzichtbar, zunächst ein Unternehmensleitbild zu entwickeln und die strategischen Ziele des Unternehmens zu definieren. Liegen diese langfristigen Vorgaben vor, muss die operative Unternehmensplanung an die Struktur und Zielsetzung angepasst werden. Prof. Dr. Oepen empfiehlt, nicht pauschal zu planen, sondern einzelne Bereiche, Sparten oder Segmente im Detail zu betrachten. Um ein möglichst wirklichkeitsnahes Abbild der Geschäftstätigkeit zu entwerfen, gilt es, die Besonderheiten der Baubranche zu berücksichtigen. So hat beispielsweise die klare Unterscheidung von Vorauszahlungen und Abschlagszahlungen unmittelbaren Einfluss auf die Kennzahlen und damit auf das Rating.
Eindimensional ermittelte Planwerte treffen nie ein! Außer sie sind manipuliert.
Dr. Werner Gleißner, Vorstand der FutureValue Group AG: „Eine Planung ist nur dann sinnvoll, wenn sie auch für unternehmerische Entscheidungen verwendet wird.“ Ein Planwert ist in der Regel der wahrscheinlichste Wert, der nach Beurteilung möglicher Szenarien angegeben wird. Dr. Gleißner plädiert dafür, anstatt sich auf eine punktuelle Scheingenauigkeit zu verlassen, vor allem die Bandbreite möglicher Planabweichungen zu betrachten. „Sobald Planwerte exakt eintreffen, kann davon ausgegangen werden, dass getrickst wurde.“ Eine belastbare Planung aufzustellen bedeutet, sich mit verschiedenen Planungsszenarien auseinanderzusetzen. So kann es beispielsweise interessant sein, zu erfahren, wie sich verschiedene Stressszenarien auf die Beurteilung durch den Kreditgeber auswirken können. Dadurch gelingt es, frühzeitig gegenzusteuern, noch bevor die Bank auf ein Problem aufmerksam macht.
„Ich bin Bauunternehmer und liebe die Zahlen“
Ralf Hofmann, Geschäftsführer der Bauunternehmung Hch. Phil. Schäfer III. GmbH & Co. KG, ist von der Unternehmenssteuerung anhand aktueller Kennzahlen überzeugt. Für die Umsetzung seiner Führungsphilosophie ist es ihm wichtig, dabei auch seine Mitarbeiter einzubeziehen. So sind seine Bauleiter aktiv in Controlling-Aufgaben eingebunden. Dadurch gelingt es, laut Ralf Hofmann beispielsweise, die Abrechnung der Bauleistung stets aktuell zu halten. Mit dem Ziel, das Management seines erfolgreichen Baubetriebs noch professioneller zu gestalten und „noch besser agieren anstatt nur reagieren zu können“ wurde in Zusammenarbeit mit BWI-Bau und BRZ die IT-gestützte Unternehmensplanung eingeführt. Ralf Hofmann sieht darin das zentrale Werkzeug, um die Entwicklung seines Unternehmens nachhaltige zu sichern. Mit diesem „letzten Mosaikstein“ unterstreicht er zudem seinen Anspruch einer vollkommen transparenten Kommunikation gegenüber den Banken.
Mit Planung gestärkt aus der Krise
Das Beispiel der Gebr. Vollmer GmbH & Co. KG zeigt, wie ein Bauunternehmen durch Konzentration auf Kernkompetenzen und die Erstellung einer rollierenden Unternehmensplanung aus einer existenzbedrohenden Lage auf Erfolgskurs gebracht werden konnte. Hier war es letztlich der Kreditgeber, der den Anstoß gab, eine Umstrukturierung auf den Weg zu bringen und durch eine Unternehmensplanung laufend zu überprüfen. Nach umfangreicher Auslagerung der kaufmännischen Aufgaben an BRZ und der Implementierung der integrierten Planungslösung lassen sich nun direkt aus dem Management-Informationssystem der BRZ–Lösung jederzeit aktuelle Plan/Ist-Vergleiche abrufen und zu anschaulichen Auswertungen verdichten. Im Zusammenspiel mit weiteren neu eingeführten Reportmöglichkeiten, wie beispielsweise monatlichen Einzelbewertungen der unfertigen Baustellen, verfügt die Unternehmensführung nun über ein wirkungsvolles Steuerungsinstrument, das im regelmäßigen Reporting auch die Hausbanken überzeugt.
Weitere Informationen und neue Seminartermine 2012: www.brz.de/mittelstandsseminare
Über die Mittelstandsseminare
Die BRZ-Mittelstandsseminare behandeln innovative Managementmethoden und –instrumente, speziell adaptiert auf die Anforderungen der Bauwirtschaft.
Mit einem bewährten Mix aus Grundlageninformationen und Praxisbeiträgen wenden sich die Seminare an Geschäftsführer und Führungskräfte mittelständischer Bauunternehmen. Die Seminare werden entwickelt und durchgeführt von BRZ Deutschland in Kooperation mit dem Betriebswirtschaftlichen Institut der Bauindustrie (BWI-Bau).
Anmeldung
Die Teilnahmegebühr beträgt pro Person 490,00 € zzgl MwSt. Die Anmeldung erfolgt über die Website. Für Rückfragen und Bildmaterial stehen wir Ihnen gerne telefonisch (0911 3607 309) oder über E-Mail zur Verfügung.
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